Eisige Welten

Die „kühle Küste“ bedeutet Svalbard auf Deutsch. Nicht weit hergeholt, liegt die Norwegen gehörende, und aus über 400 Inseln und Schären bestehende, Inselgruppe schließlich auf halben Weg zwischen Nordkap und Nordpol. Gerhard Kraus fuhr mit der ANTIGUA rund um Spitzbergen.

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Die 2000-Seelen-Gemeinde Longyearbyen ist der Ausgangs- und Endpunkt unserer Segelreise rund um Spitzbergen. Namensgeber dieses Ortes ist ein gewisser John Monro Longyear (1850─1922). Der Minenbesitzer, Ingenieur und Millionär aus den Vereinigten Staaten, kam 1901 an Bord der August Victoria zum ersten Mal nach Spitzbergen. Die fortwährende Suche nach Kohle im Gebiet des Adventfjord in den Jahren 1903/1904 führte schließlich dazu, dass J. M. Longyear nach dem Bau eines Kohlekais und einiger Wohnbaracken im Winter 1906/1907 das erste Kohlebergwerk (Mine No. 1) in Longyearbyen eröffnete. Steinkohle wird auch heute noch um Longyearbyen und in anderen Gruben Zentral-Spitzbergens gefördert. Longyearbyen ist Sitz eines Gouverneurs, dem Sysselmann, und das Verwaltungszentrum einer 61020 km² großen Inselgruppe in der Hocharktis. 1925 erklärte die norwegische Regierung auf der Grundlage des Pariser Vertrags von 1920 den Archipel, der offiziell Svalbard heißt, zu ihrem Staats- und Rechtsgebiet. Spitzbergen heißt die größte Insel und viele Touristen verwenden diese Bezeichnung auch für die ganze Inselgruppe.


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Am Kai liegt die Antigua im blauen Wasser des Adventfjord, einem Seitenarm des 1260 km² großen Isfjord. Sie wurde 1957 in U.K. ursprünglich als Fischereischiff gebaut und später zu einem Großsegler umgebaut. Ein unschätzbarer Vorteil der unter niederländischer Flagge fahrenden Antigua sind ihre Ausmaße. 49 m Länge, 7 m Breite und 3,30 m Tiefgang durchpflügen das Wasser. Sie kommt auch an Stellen, wo größere Schiffe einen weiten Bogen machen müssen. Zunächst begrüßt uns Servicechefin Nadine an Bord und teilt uns die Kabinen zu, die 2 Personen Platz bieten und mit Dusche und WC ausgestattet sind. Insgesamt ist für 32 Gäste Platz in den kleinen aber feinen Kojen. Dann folgt schon das erste Treffen im gemütlichen Salon mit Kapitän Joachim, der auf die Einhaltung wichtiger Sicherheitsbestimmungen wie z.B. Brandschutz und die Rettungsmittel hinweist. Zum Schluss noch mahnende Worte von Rolf Stange, unserem Expeditionsleiter und Spitzbergen-Experten: „In Svalbard leben mehr Eisbären als Menschen. Bei Landausflügen müssen wir als Gruppe immer zusammenbleiben. Bei jedem Landgang werden die beiden Guides und ich immer schussbereite, großkalibrige Gewehre mitführen für den Fall einer Konfrontation mit einem Eisbären.“ Schon bald sind wir weit entfernt von Longyearbyen und mitten drin im Isfjord. Was für ein schöner Abend! Schon nach dem perfekt zusammengestellten Captain’s Welcome Dinner zum Auftakt der Reise scheint für Koch Alex und das 3-köpfige Serviceteam die Zufriedenheit der Gäste das Wichtigste zu sein. Und in der Tat, die Küche ist alles andere als karg. Vielfalt auf dem Teller ist jeden Tag angesagt. Dazu gehören ein reichhaltiges Frühstück, leckere Buffets, aber auch vegetarische Köstlichkeiten.

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Spurensuche in Ny-Ålesund

Die Antigua hält Kurs auf Ny-Ålesund, der nördlichsten Dauersiedlung (78°50‘ Nord) der Welt, die nur aus ein paar auf Permafrost gebauten Häusern besteht. 1917 wurde Ny-Ålesund als Bergwerksiedlung gegründet, um dort Kohle zu fördern. Ein schweres Grubenunglück führte 1963 zur endgültigen Einstellung des Kohleabbaus. Ny-Ålesund hat auch eine besondere Bedeutung für die Geschichte der Polarexpeditionen mit ihrem häufig tragischen Ende. Im Ort erinnert eine bronzene Amundsen-Skulptur an den gefeierten norwegischen Polarforscher. 1925 war Ny-Ålesund der Startplatz für seinen erfolglosen Versuch, mit zwei Wasserflugzeugen N-24 und N-25 den Nordpol zu erreichen. Der Ort hat sich seit 1967 zu einem Forschungszentrum entwickelt. Neben dem norwegischen Polarinstitut und dem deutschen Alfred Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung unterhalten auch andere Nationen Niederlassungen.

Die Antigua zieht an der abweisenden, Respekt einflößenden Küste der Sieben Eisberge vorbei. „Die sju Isfjella“, das sind sieben zerrissene Gletscherströme, die ins Polarmeer drängen. Heute finden wir uns an Deck zu einem Segelunterricht mit Maarten, dem ersten Steuermann ein. Die theoretischen Kenntnisse können wir unmittelbar danach in die Praxis umsetzen. Bei einer südlichen Brise werden diverse Längs- und Rahsegel gesetzt und wir segeln mit 6-7 Knoten munter nordwärts. Wegen der Launenhaftigkeit des Windes tuckern wir aber meistens mit Dieselantrieb über das Polarmeer.

Jagd auf Wale in Nordwest-Spitzbergen

Im 17. Jahrhundert gerieten der 8 km lange und bis zu 5 km breite Magdalenefjord und die gesamte Nordwestecke Spitzbergens in das Blickfeld der Walfänger vor allem aus den Niederlanden, England und Dänemark. Hier entstanden die wichtigsten Walfangstationen mit ihren stinkenden Trankochereien, und Smeerenburg auf der Insel Amsterdamøya war die größte davon. Tran war als Brennstoff für Lampen begehrt, ebenso die Barten für Damenkorsetts und Regenschirme....


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