Goldene Lebensader

Die meisten Flusskreuzfahrten auf dem Irrawaddy verbinden die kurze Strecke zwischen Bagan und Mandalay. Doch auf den langen Reisen bis in den Norden des Landes lockt viel mehr Abwechslung am Ufer. Peggy Günther war mit der PAUKAN 2012 unterwegs.

Laut knattern die gebogenen Lastkähne über den Irrawaddy. Ihre Mitte gleitet so nah über der Wasseroberfläche dahin, dass es wirkt, als würden sie jeden Augenblick überspült. Sie transportieren Waren flussaufwärts, Reissäcke, Ölfässer, was eben im Norden gebraucht wird. Manchmal heulen die Motoren auf, ohne, dass sich das Schiff fortbewegt. Dann haben sie sich auf einer der Sandbänke festgefahren, die den Fluss unberechenbar machen.


Während die meisten Flusskreuzfahrtschiffe nur zwischen Bagan und Mandalay unterwegs sind, bietet Lernidee Erlebnisreisen fünfmal im Jahr die 1.345 Kilometer lange Strecke zwischen Pyay im Süden und dem zweiten Engpass im Norden an. Hier steigen beeindruckende Granitberge nur rund 30 Meter entfernt aus dem Wasser empor und die Kurven werden enger. Weiter südlich gleitet das Auge hingegen über weitläufige Sandbänke mit schroffen Abbruchkanten oder über flache braune Dünen, die in der Ferne von grünen Bergen kontrastiert werden.


„Der Fluss ändert häufig seinen Lauf“, erklärt der hagere Kapitän Aung Mynt Than. Er befährt die Lebensader Myanmars bereits seit 25 Jahren und weiß den Fluss zu lesen: Wenn die Wasseroberfläche ruhig ist, entsteht an dieser Stelle bald eine Sandbank, wenn die Strömung stark ist, ist das Wasser meist tief. Auf 2.170 Kilometern prägt der Irrawaddy das Land immer wieder neu. „Früher war das Flussbett da drüben“, sagt Aung Mynt Than und deutet mit einer ausholenden Geste in Richtung Steuerbord. Da der Fluss so wechselhaft ist, braucht er zur Navigation erfahrene Lotsen, die jeweils für einen Abschnitt von 50 Meilen Experten sind. Oft stehen auch Matrosen am Bug und bestimmen mit langen Bambusstangen die Wassertiefe.


In der Trockenzeit werden auf den Sandbänken Erdnüsse und Bohnen angepflanzt, die Menschen rücken mit Bambushäusern näher ans Ufer, um die Felder mit Wasserbüffeln zu bestellen oder zu fischen. Im warmen Abendlicht baden die Kinder lärmend im Fluss und winken den Passagieren zu, während die Frauen mit Holzschlägeln die letzten Wäschestücke des Tages auf den Steinen ausklopfen. Doch die historisch wirkende Idylle täuscht – selbst in den abgelegenen Regionen im Norden prägen bereits Stromleitungen und Mobilfunkmasten das Ufer – das Internet hat Einzug gehalten. Die ersten jungen Frauen tauschen die traditionelle Thanaka-Bemalung aus Baumrinde gegen aufhellende Cremes aus China und manche Männer tragen enge Jeans statt des Wickelrocks Longiy.....


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