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Neuer Eigner für MS Deutschland






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Neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte der als fünftes Traumschiff der gleichnamigen ZDF-Serie bekannt gewordenen Deutschland. Für das vor 20 Jahren von der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG in Kiel für den Neustädter Reeder Peter Deilmann für 215 Mio. DM als dessen neues Flaggschiff erbaute und dort am 11. Mai 1998 von Altpräsident Richard von Weizsäcker auf den Namen Deutschland getaufte Luxusschiff konnte jetzt erneut ein Käufer gefunden werden.

In der zweiten Januarhälfte d.J. wurden bei einem Hamburger Notar die Kaufverträge für die Deutschland mit der in Dallas ansässigen und mit eigener Niederlassung u.a auch in Griechenland vertretenen Delos Shipping LLC unterzeichnet (siehe auch AN BORD 1/2018). Das Private Equity-Unternehmen für Investments in der Schifffahrtsbranche, das bisher vor allem auf den Tanker-, Bulker-, Containerschiffs- und Offshorebereich fokussiert war, engagiert sich u.a. bei Sale/Leaseback-Transaktionen oder Akquisitionen in Joint-Ventures mit einem namhaften europäischen Handelshaus. Sie hat das Schiff für ihre Tochter Delos Cruise zu einem Preis von 33,5 Millionen Dollar von dem letzten Eigner, der zwischenzeitlich verstorbenen texanischen Geschäftsmann Donald Hoffmann nahestehende Absolute Nevada LLC, Las Vegas, einschließlich der bestehenden und gleichzeitig mit dem Verkauf verlängerten Charterverträgen übernommen.


Hintergrund

Bekanntlich war die Deutschland bereits 2010 zunächst an den Münchener Finanzinvestor Aurelius veräussert worden, nach einem Weiterverkauf hatte die Eignergesellschaft des Schiffes, die MS „Deutschland“ Beteiligungs GmbH, am 29.10.2014 einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, der am 12.11.2014 die Gläubigerversammlung folgte. An diesem Tag, an dem sich sich bereits ein Verkauf des Schiffes abzeichnete, beendete es auch seine vorerst letzte Kreuzreise in Lissabon. Da jedoch die potenziellen Käufer bis zum 27. November 2014 keine ausreichenden Fianzierungsnachweise vorgelegt hatten, wurden nicht nur die für den Klasse-Erhalt erforderliche Werftzeit, sondern alle geplanten Reisen, darunter eine Weltreise, abgesagt und die Besatzung freigestellt. Am 24. März 2015 teilte Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber mit, dass das für 520 Gäste zugelassene 22496-BRZ-Schiff an eine amerikanische Reederei verkauft werden konnte. Am 19. Mai 2015 wurde das zu der Zeit in Gibraltar liegende Schiff an die Absolute Nevada LLC, Las Vegas, übergeben und unter Bahamas-Flagge mit Heimathafen Nassau gebracht. Der angebliche Kaufpreis von 21 Mio. Dollar wurde von beiden Seiten nicht bestätigt. Im Sommer 2015 nahm der Bremer Kreuzfahrtveranstalter Plantours die Deutschland für rd. zwei Monate als Ersatz für seine durch eine Grundberührung ausgefallene Hamburg in Charter. Anschliessend erfolgte die Umrüstung bei der Kieler Lindenau-Werft für den Einsatz im Rahmen des „Semester at Sea“-Programms der Universität von Virginia. Sie hat das Ende August 2015 in World Odyssey umbenannte Schiff, das am 7.September 2015 zur ersten Einschiffung von US-Studenten Kurs auf Portsmouth genommen hatte, für fünf Wintersemester eingechartet. Auch die Beschäftigung in den Monaten Mai bis September ist seit 2016 durch einen Chartervertrag mit dem Bonner Reiseveranstalter Phoenix Reisen für fünf Jahre gesichert. Seit einem Umbau im Frühjahr 2016 in Cadiz, bei e u.a. French Balconies eingebaut wurden, ist das Schiff in den Phoenix-Farben und mit der Phoenix-Schornsteinmarke unter seinem Taufnamen Deutschland saisonal unterwegs.

Die inzwischen verlängerten Charterverträge dürften neben der neuen US-Steuergesetzgebung mit dazu beigetragen haben, dass die Witwe des inzwischen verstorbenen texanischen Eigners ihre Verkaufsabsichten zeitnah umsetzen konnte. Phoenix Reisen-Geschäftsführer Benjamin Krumpen bestätigte am 31. Januar, dass man zeitgleich mit dem Eignerwechsel den Chartervertrag verlängert habe und das Schiff „bis mindestens 2025“ in den jeweiligen Sommersaisons in der Phoenix-Flotte bleibe, wobei auch weiterhin der Phoenix-Partner SeaChefs für den Hotel-Bereich verantwortlich sein werde. Auch die Studienorganisation „Semester at Seas“ hat ihren Chartervertrag für die jeweiligen Wintersaisons bis 2026 verlängert.


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Seit Dienstag müssen sich die Zwillingstöchter des damaligen Auftraggebers und Reeders der Deutschland, Gisa und Hedda Deilmann, vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts in Lübeck verantworten. Ihnen wird die Veruntreuung von knapp 1,3 Millionen Euro an Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuern zwischen März 2005 und März 2010 vorgeworfen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Zwilling in Lübeck vor Gericht stehen: Mitte 2017 hatte der Bundesgerichtshof ein Urteil des Landgerichts Lübeck vom Juni 2016 aufgehoben, das jeweils zwei Jahre und neun Monate Haft für die Zwillinge vorsah. Es hatte sie der versuchten Steuerhinterziehung, des Bankrotts und der falschen eidesstattlichen Versicherung für schuldig befunden. Sie sollen zuvor versucht haben, Erbteile noch vor dem Insolvenzantrag der Reederei innerhalb der Familie zu verschieben, um sie dadurch vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen und die Erbschaftssteuer zu reduzieren. Nach der Aufhebung des Urteils durch den BGH mit der Begründung, dass das Landgericht seinerzeit die tatsächliche Höhe der Deilmann-Erbschaft nicht ausreichen geprüft habe, soll das Landgericht nunmehr den Fall erneut prüfen.JPM



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