Die letzte Passage der RMS St. Helena

In diesen Tagen ist das Postschiff RMS St. Helena auf seiner letzten Fahrt. Die im Südatlantik gelegene Insel St. Helena, bekannt als Verbannungsort Napoleons, war in ihrer Geschichte stets nur mit einer mehrtägigen Schiffsreise erreichbar. Nun haben regelmäßige Linienflüge ab Südafrika die Verbindung mit der Außenwelt aufgenommen, die RMS St. Helena wird verkauft. Beat Eichenberger war auf einer der letzten Passagen mit dem legendären Royal Mail Ship.

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Das Zeitgefühl kommt spätestens am dritten Tag auf See ins Wanken: Oder sind es doch schon vier Tage her, seit die RMS St. Helena Kapstadt verlassen hat? Rundum nichts als die endlose Weite des Meeres, weit und breit kein Land, kein Schiff, keine Möwen, dafür mal die Fontäne eines vorüberziehenden Wals. Das ganze Universum reduziert sich auf diese 105 Meter lange und 19 Meter breite Nussschale, in deren Mehrbettkabinen 145 Passagiere Platz finden. Das explizit für die Versorgung von St. Helena erbaute Kombi-Schiff ist aber auch ein Frachter: Im vorderen Teil türmen sich die Container, in denen sämtliche denkbaren Güter auf die Insel transportiert werden, die mit Ascension Island und Tristan de Cunha ein Britisches Überseegebiet bildet.


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«Wir haben Wetterglück. Im Südatlantik kann es je nach Saison auch mal ruppig werden», kommentiert Kapitän Andrew Greentree die ruhige, sonnige Überfahrt. Der gebürtige «Saint», so werden die Insulaner genannt, hat sein halbes bisheriges Leben auf dem Royal Mail Ship verbracht. Er war auch auf der ursprünglichen «Abschiedsfahrt» im Mai 2016 nach London an Bord: «Mitten in den Festivitäten kam die Nachricht, dass die RMS vorläufig weiterhin im Dienst verbleibt. Der neu erbaute Flughafen auf St. Helena konnte wegen gefährlichen Scherwinden nicht wie geplant in Betrieb genommen werden», erzählt er.


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Doch nun gilt es ernst: St. Helena, 1950 km Kilometer von der Küste Angolas und 2900 Kilometer von der Küste Brasiliens entfernt, verfügt seit dem 14. Oktober 2017 endlich über regelmäßige Linienflüge. Wegen der kritischen Windsituation kommen aber kleinere Fluggeräte als geplant zum Einsatz, welche nicht die ganze Piste für die Starts und Landungen benötigen. Die wöchentlichen Flüge von Johannesburg über Windhoek nach St. Helena werden von SA Airlink mit einer Embraer 190 durchgeführt. Die RMS ist in diesen Tagen auf ihrer letzten Passage und steht zum Verkauf – bei Redaktionsschluss stand noch nicht fest, wohin es das gut erhaltene, 28-jährige Kombi-Schiff verschlagen wird.


Englisch-nostalgische Atmosphäre

Die Insel St. Helena und die RMS St. Helena – das war bisher eine gottgegebene Symbiose: «Die RMS ist viel mehr als ein Schiff. Es ist die Nabelschnur, welche die Saints mit dem Rest der Welt verbindet. Nun wird diese ersetzt», sagt Jacqueline Leo, Hotel-Managerin des Schiffs, mit Wehmut. Vorgängerinnen der heutigen RMS St. Helena trugen Namen wie Edinburgh Castle oder Good Hope Castle und wurden von der Union-Castle Line betrieben. 1978 wurde die St. Helena Shipping Company gegründet und die erste RMS St. Helena (ex-Northland Prince) nahm ihren Dienst auf. Ersetzt wurde diese Einheit Ende 1989 durch die heutige RMS St. Helena, ein Neubau, der seither als offizielles Royal Mail Ship regelmäßig zwischen England, Ascension Island, St. Helena und Kapstadt pendelte. In den letzten Jahren wurden die England-Abstecher aber nur noch sporadisch durchgeführt......


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