Grönland extrem

Die Ostküste Grönlands gehört mit den größten Eismassen des Nordens seit jeher zu den spektakulärsten Regionen der Arktis. Atemberaubend ist die Landschaft auf Höhe des 80. Breitengrades, dramatisch der Küstenverlauf des mit 972.000 Quadratkilometern weitesten Nationalparks der Welt. Frank Sistenich hat sich auf einer Reise zu den größten Fjorden und den ältesten Gebirgsmassiven der Welt umgesehen.

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Seit seiner Abschiedstour im Winter 2011 hatten Polarfreunde aus der ganzen Welt die Hoffnung nicht aufgegeben und fest daran geglaubt, dass dieser stärkste touristisch genutzte Eisbrecher mit herkömmlichem Antrieb seinen Weg zurück auf den Markt finden würde. Da eine kanadische Ölfirma das Schiff für viele Jahre gechartert hatte, um nach Erdöl bohren zu können, war das Ende dieser touristischen Zwangspause ungewiss. Fallende Ölpreise machten die Offshore-Bohrungen aber zunehmend unrentabel und die Kapitan Khlebnikov wartete vergebens in ihrem Heimathafen Wladiwostok auf ihren Einsatz.


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Einschiffung auf Spitzbergen

Für den Reisenden unserer Tage beginnt die Einschiffung in Longyearbyen auf Spitzbergen. Zwei Tage durch die Grönlandsee vergehen rasch mit der Erkundung des frisch renovierten Schiffes (alle Bäder in den Kabinen wurden ebenso neu gestrichen wie die Decks und öffentlichen Räume), bevor das mächtige, mit Inlandeis bedeckte Kronprins Christian Land in Sichtweite kommt. Während der Seetage finden die Lektorenvorträge größten Zuspruch, an erster Stelle sind der Polarhistoriker Bob Headland vom Scott Polar Research Center der Universität Cambridge und der Geologe Norman Lasca, Emeritus der Universität Wisconsin-Milwaukee, zu nennen. Hier im nördlichsten Norden wird die Kapitan Khlebnikov solange kreuzen, bis Mutter Natur eine natürliche Grenze setzt. Und die kommt rasch. Das mehrjährige Packeis wird nun bis zu 5 Meter dick und kann dank seines Alters kaum mehr gebrochen werden. Helikopterrundflüge offerieren einen ungetrübten Blick auf Walrosskolonien, eisige Landmassen und einen Packeisgürtel soweit das Auge reicht. Von nun an geht es südwärts. Eine Umrundung der Insel Richtung Norden wäre schlichtweg zu riskant.

Mit Danmarkshavn wird die erste Ansiedlung erreicht, jener Hafen, der bereits von Ludvig Mylius-Erichsen an Bord der Danmark (sie verließen Kopenhagen im Jahr 1906 und erreichten im Frühjahr 1907 Kap Bismarck, um von hier aus Grönland zu entdecken) angelegt wurde. Die moderne Wetterstation vor Ort wurde 1948 nach dem Krieg errichtet und ist bis heute noch in Betrieb. Obwohl die Station planmäßig von dänischen Versorgungsschiffen angelaufen wird, ist deren Ausfall wegen des Packeises nicht unüblich. So besteht unser Willkommensgruß an das Team der Station in der Übergabe von prall gefüllten Proviantkisten.


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Dank der Tundra an den Küsten des Nordostgrönland Nationalparks können mit ein wenig Glück die extrem scheuen und seltenen Moschusochsen gesehen werden. Auf allen anstehenden Wanderungen der Reise teilen Alex McNeil und Cheli Larsen, die beiden Expeditionsleiter an Bord, die Gäste in vier verschiedene Gruppen ein, jeweils nach dem angestrebten Anspruchsniveau gestaffelt. Alex hat bereits über 100 Polarexpeditionen hinter sich und wird für die kommenden 20 Tage der wichtigste Ansprechpartner für Wünsche aller Art. Botaniker mögen es gern kontemplativ, Bergsteiger lieben es, weite Strecken an Distanz zurückzulegen. So ist für jeden der 110 Passagiere immer das Richtige dabei. Driftendes Eis des Polarmeeres liefert zudem optimale Bedingungen für Robben, Walrösser und Eisbären. Seit 17. Juni 1999 gelten die verschärften Umweltbedingungen des Nationalparks, um Landschaft, Flora, Fauna, prähistorische Artefakte und weitere kulturhistorische Relikte nachhaltig zu schützen. Jagen für die wenigen Einwohner ist erlaubt, solange es sich um klassische, tradierte Jagdmethoden handelt. Neben Schlittenhunden und Kajaks fallen hierunter auch Motorboote, so an einem Tag die zugrundeliegende Ortschaft verlassen und auch wieder erreicht werden kann. Im Jahr 1823 wurde hier die Sabine Insel entdeckt, auf der die Deutschen zwei kleine Stationen im Zweiten Weltkrieg errichteten. Eine der beiden wurde 1943 durch die US Luftwaffe zerbombt, die andere brannte aus. Weiter südlich auf Eskimonaes (Teil der Clavering Insel) finden sich die Überreste einer kleinen Siedlung von vier Häusern, die Wissenschaftlern in den Jahren 1931-1939 und 1941-1943 der Überwinterung dienten, bevor die deutsche Marine sie unter Beschuss nahm.....




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