Zwischen Pole-Pole und Inschallah

Sie ist das Reisemotiv, die senegalesische BOU EL MOGDAD. Eine weiße Schönheit aus genietetem Stahl - mitten in Schwarzafrika. Bei ihrem Anblick geraten nicht nur „Nietenzähler“ wie Peer Schmidt-Walther ins Schwärmen, sondern auch „Normalos“, die weit entfernt davon sind, „Shiplover“ zu sein.

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Nach sechs Stunden Busfahrt von Dakar durch die Savanne nach Norden ist irgendwann die Sitzfleisch-Schmerzgrenze überschritten. Kurze Mittags- und Erholungspause, dann geht´s weiter im Zuckeltrab: zwei Stunden per Ein-PS-Rüttel-Kutsche durch das quirlig-bunte Saint Louis, die ehemalige Hauptstadt von Französisch-Westafrika.


Alle in einem Boot

Samba Cissé, das unschlagbare senegalesische Reiseleiter-Original, kurz Samba genannt, gibt sein Bestes. Bei manchen Fragen seiner wissbegierigen Gäste muss der beschlagene, perfekt Deutsch sprechende Mann allerdings passen und grinst übers ganze Gesicht: „Samba weiß nicht alles!“

Schlaffheit verfliegt, Schweißströme sind vergessen, als eine frische Brise vom Senegal-Fluss die Kutschen bestreicht und sich nach der letzten Ecke ein hoch aufragender Steven ins Blickfeld schiebt. Tatsächlich: BOU EL MOGDAD steht da rot auf weiß – angekommen!


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Beinahe ehrfurchtsvoll tasten sich die neuen Gäste die steilen Niedergänge aufwärts zum Sonnendeck. Bis die mit Mango-Punsch und Eiswürfeln gefüllten Gläser klirren: „Willkommen an Bord“, strahlt Samba, „ab jetzt sitzen wir alle in einem Boot!“ Und er erklärt damit zugleich die Bedeutung des Wortes „Senegal“: „´Sene` gleich alle, ´gal` in einem Boot. Wir werden eine schöne Reise haben! Inschallah, so Gott will!“


Kein Fluss-, sondern Seeschiff

Die BOU EL MOGDAD ist eine Überraschung: trotz ihres respektablen Alters von 67 Jahren gepflegt wie eine junge Schiffslady. Wenn man über ihre Beulen und Nieten hinweg sieht, die den 52 Meter langen Oldtimer zusammenhalten. Aber genau das zeigt unverkennbar: Das Mädel hat einen historischen Charakter. Spätestens in den Kabinen demonstriert sie auch ihren nostalgischen Charme: original dunkle Hölzer und Messing dominieren, dazu Schiebefenster mit Gurt wie in alten Eisenbahnwaggons.


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Als sie von ihrer Geburtsstätte im holländischen Dordrecht über See den Weg nach Dakar antrat – sie ist also kein Fluss-, sondern ein echtes Seeschiff -, war sie als Versorger mit Passagiertransport nicht nur entlang der 500 Kilometer langen senegalesischen Küste vorgesehen, sondern sollte sogar bis Freetown in Sierra Leone dampfen. Statt heute nur noch 32 Passagiere, konnten damals 58 Passagiere mitgenommen werden. Entsprechend komfortabler ist die heutige Einrichtung, die auf Umbauten zwischen 2009 und 2014 zurück geht. Wobei der Gesamtcharakter als Kombi-Frachter vollständig erhalten geblieben ist.

Das Wort „Infrastruktur“ kannte man damals noch nicht, wohl aber die Möglichkeit, Güter und Menschen per Schiff zu transportieren. Heute indes übernehmen ganze Flotten von LKW und Bussen den Transport von Menschen und landwirtschaftlichen Produkten und Baustoffen. Die Eisenbahn spielt kaum noch eine Rolle im Land, abgesehen von der Strecke Dakar – Mali....


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