Per Schiff über das größte Binnenmeer

Der Karibik-Kreuzfahrtriese Mercury soll demnächst als Mein Schiff 2 für die TUI Dienst tun. Dafür wird das Schiff für 50 Millionen Euro umgebaut, um dann die Nordrouten zu befahren. Ein wesentlich kleinerer Namensvetter, die Merkuri, harrt dagegen auf einer weitaus exotischeren Strecke aus: mitten in Zentralasien, auf dem kaspischen Meer. Natascha Thoma und Isa Ducke erlebten eine Kreuzfahrt, wie sie sich keiner vorstellt.

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Mit einer Fläche von fast 400.000 m2 – größer als ganz Deutschland – ist das Kaspische Meer das größte Binnenmeer der Welt. Zu den Anrainerstaaten gehören Kasachstan und Russland, Turkmenistan, der Iran und Aserbaidschan. Zwischen Baku in Aserbaidschan und Turkmenbashi in Turkmenistan besteht eine regelmäßige Schiffsverbindung – nicht zuletzt, um das in Turkmenistan geförderte Öl zum Anfang der Kaukasus-Pipeline und weiter in die Weltwirtschaft zu transportieren. Noch in den 1980-er Jahren ist die kleine Merkuri kurzzeitig auf der Ostsee gefahren.

Nach einem Tag Fahrt in unterschiedlichen Sammeltaxis durch die zentralasiatische Wüste dunkelt es bereits, als wir den Fähranleger in Turkmenbashi erreichen. Zu Sowjetzeiten hieß die Kleinstadt im Westen Turkmenistans noch Krasnovodsk, und so nennen sie die Einheimischen aus Gewohnheit immer noch. Ihren neuen Namen hat sie vom ersten post-sowjetischen Präsidenten Turkmenistans bekommen. Der hieß zwar ursprünglich Saparmyrat Niyazov und war Generalsekretär der sowjetischen Kommunistischen Partei, aber nach der Unabhängigkeit 1991 nannte er sich Turkmenbashi, was soviel wie „Führer der Turkmenen“ bedeutet, und baute einen diktatorischen Staat basierend auf einem bizarren Personenkult auf, der von seinem Nachfolger weitgehend weitergeführt wird.
Die Umbenennung von Städten nach sich selbst oder Familienmitgliedern gehörte noch zu den harmloseren Neuerungen. Turkmenbashi verbot nicht nur Parteien und Opposition, sondern auch alle Bücher außer dem Koran und einer von ihm selbst geschriebenen Weisheitensammlung. Die Medien sind fest in staatlicher Hand, diese Woche z. B. zeigen die beiden staatlichen Fernsehsender stundenlang Bilder von Traktoren: Live-Übertragungen von der turkmenischen Baumwollernte.

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